Das Legetor auf Postkarten (Teil III)

Es gibt zwei wichtige Tore, die die Aufmerksamkeit der Geschichtserzähler auf sich ziehen. Eines davon ist das Langgarter Tor, das im Juni 2016 und im Mai 2019 das Motiv einer Postkartenreihe war. Das zweite ist das Legetor, das wir auf Postkarten im September 2017 und August 2019 betrachtet haben. Bei dem ersten Tor kennen wir im Moment keine anderen Vorkriegs-Postkarten mit dessen Ansicht, daher müssen wir möglicherweise sehr lange auf den dritten Teil dieser Serie warten. Was das Legetor betrifft, sieht die Sache optimistischer aus. Denn mit der heutigen dritten Postkarte mit der Beschriftung Danzig, Leegetor schließen wir dieses Thema nicht endgültig ab. Es wartet noch mindestens ein weiteres Bild dieses Objekts auf die Veröffentlichung. Dazu aus einer Perspektive, die wir noch nicht gezeigt haben.

Aber bevor es dazu kommt – werfen wir einen Blick auf das vertikale Bild des Leegetors, gerade von der Seite der Niederungen, zu denen es führte. Aufgrund der Entfernung vom Stadtzentrum Danzigs war der Verkehr dort nicht sehr stark. Der Fotograf konnte sich also an verschiedenen Stellen und unter verschiedenen Winkeln positionieren, um die beste Perspektive und das beste Licht zu finden. Und trotzdem wurde er bei diesen Arbeiten wahrscheinlich die meiste Zeit, wenn nicht sogar die ganze Zeit, nicht gestört. Vielleicht stand er zuerst näher am Eingang, dann bewegte er sich ein wenig zurück, dann noch ein wenig, noch ein wenig, und noch. Dann sah er plötzlich nicht nur die Silhouette des hohen Tores, sondern auch sein „neogotisches“ Spiegelbild im Wasser des nahegelegenen Wassergrabens. Er dachte sich, dass dies genau das sei, wonach er gesucht habe. Dass er sich nicht mehr weiterbewegen würde. Dass er nur auf den Moment warten würde, bis der Wind nachlässt und die Wellen sich beruhigen. Dann registriert er genau das, was seine Aufmerksamkeit erregt hat. Ich denke, dass er nach dem Betrachten des Fotos und dann der Postkarte mit dem Bild zufrieden war. Und auch wir sind zufrieden, dass wir durch seinen Objektiv auf das Tor schauen können. Und dank ihm können wir in der Zeit zurückgehen, um genau das zu sehen, was er damals sah. Natürlich dominiert die Steinstruktur des Tores selbst. Aber ein aufmerksamer Beobachter wird auch andere Details bemerken. Die Silhouetten der beiden Gebäude auf der rechten Seite, die wahrscheinlich die Kriegswirren nicht überlebt haben. Die Gaslaterne. Die Trampelpfade auf beiden Seiten des Tores – die von den Bastionen in Richtung Straße führen. Die Metallgeländer, die vor dem Stürzen ins Wasser schützen. Den preußischen Adler über der Durchfahrt. Und das wohl interessanteste – die dicke weiße Linie auf der linken Seite des Tores am westlichen Pfeiler. An dieser Stelle eine weiße Linie… Zufall? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht ist es genau diese Linie, die die eingravierte Datumsangabe 12. April 1829 hatte und den Wasserstand zeigte, der an diesem Tag an diesem Ort erreicht wurde.

Aber nicht nur das Auge kann sich an diesem Vorkriegsbild erfreuen. Da es dem erwähnten Fotografen für eine gewisse Zeit gelang, uns an diesen bezaubernden Ort zu versetzen, steht nichts im Wege, die Augen für einen Moment zu schließen und mit der Vorstellungskraft die Geräusche zu hören, die damals am lautesten in den Ohren klangen. Und es waren keine Geräusche des gerade vorbeifahrenden Busses oder einer Kavalkade von beschleunigenden Autos. Es ist wahrscheinlicher, dass man das sanfte Rascheln von Schilf, das laute Quaken von Fröschen, das Gackern streitender Enten, das Flügelschwirren von Schwalben oder den charakteristischen Ruf des Schilfrohrsängers hörte. Eine idyllische Szene. Und nur ab und zu (aber sehr selten) unterbrach sie irgendwo in der Ferne das psssssssssss-Geräusch von Dampf einer Dampflok, das klappernde Geräusch der miteinander verbundenen Waggons und das Klopfen, Klopfen, Klopfen, Klopfen, Klopfen, Klopfen des vorbeifahrenden Zuges. Und dann kehrte alles wieder zur Normalität zurück. Frösche… Schwalben… Schilf und Schilfrohrsänger…

Das Postkartenmotiv stammt aus der Serie TRINKS-POSTKARTE. Herausgegeben wurde sie von der internationalen Firma Trinks & Co., G.m.b.H, aus Leipzig. Die Nummer lautet 53. Die Nummern 23 und 33 aus derselben Serie wurden bereits besprochen. Es ist interessant, ob die Nummer 43 aus derselben Serie irgendwann auch in dieser Reihe besprochen wird.

Die vorgestellte Original-Postkarte nicht aus dem Umlauf stammt aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig.

Autor des Artikels: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.

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