Das Legetor auf Postkarten (Teil IV)
Der Kutscher auf dem Bild fuhr sicherlich öfter durch das Leeger Tor vom Wallplatz in Richtung Gross Walddorf (heute Olszynka) und sah so Einiges an diesem Ort. Mal liefen vor der Pferdenase weiße Schwäne mit ihren freundlichen und graugefiederten Kindern. Ein anderes Mal lief eine verirrte und verschreckte Ziege entlang des Gehwegs. Er erinnert sich auch an einen Tag, an dem einige junge Burschen im Tordurchgang einen Serso-Wettbewerb (Reifenwerfen) veranstalteten. Dass Angler es liebten, ab und zu über die Fahrbahn zu spazieren, wusste er schon lange. Er erkannte auch von weitem die müden Eisenbahner, die von der Arbeit nach Hause zurückkehrten. Aber dieses Mal war er ein wenig überrascht von dem, was er sah.
Soweit er sich erinnern konnte, wagte sich noch nie ein Fotograf in diese Gegend. Es gab zwar einige Fotostudios in der Umgebung – die nächsten waren in der Fleischergasse (Rzeźnicka) und in der Poggenpfuhl (Żabi Kruk). Aber dort wurden wahrscheinlich hauptsächlich Porträts in Innenräumen gemacht. Und hier plötzlich beschloss jemand in den Süden von Danzig zu fahren und die Einfahrt in die Stadt von dieser Seite zu fotografieren. Jemand beschloss, das Lege Tor von vorne zu zeigen. Wie solide es aus diesen großen Steinblöcken gebaut ist. Wie schön der Adler auf dem Tor oben aussieht. Und eine solide Straße, die von Gaslaternen beleuchtet wird, führt in sein Inneres.
Bei diesem unerwarteten Anblick zog er schnell die Zügel an und hielt sein Pferderfuhrwerk an.
Der Fotograf nickte zur Begrüßung und machte ein weiteres Foto. Der Verkehr war hier nicht sehr groß, also stellte der Fuhrmann, der aus dem Tor fuhr, eine zusätzliche Abwechslung im Bild dar. Er hoffte, dass Frau Iwan ihm das nicht übel nehmen würde. Wenn es dennoch anders wäre – hat er ja vorher für alle Fälle mehrere Bilder gemacht, auf denen niemand und nichts den Blick auf das Leeger Tor stört.
Verleger dieser Postkarte war Gertrud Iwan, die zuvor erwähnte Inhaberin eines Schreibwarenladens und -großhandels in der Hl. Geistgasse (Św. Ducha) 120. Ihre Seriennummer lautet 57. Trudy Iwan – wie in den Adressbüchern angegeben – war über 10 Jahre (1928-1938) an der genannten Adresse tätig. Der Gebäudekomplex befand sich an der Ecke der erwähnten Hl. Geistgasse und der Ziegengasse (Kozia).
Die vorgestellte Original-Postkarte nicht aus dem Umlauf stammt aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig.
Autor des Artikels: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
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