Der Brunnen an der Ecke Dolna und Łąkowa (Mittel- und Weidengasse)

Ich weiß nicht, wie es in anderen Häusern war, aber bei uns nannte man diesen Ort „Brunnen”. Sie gehen zum Brunnen, spielen am Brunnen… Niemand erklärte, warum Brunnen, denn schließlich gab es dort kein Wasser. Allerdings befand sich ein paar Meter weiter eine Pumpe, die bis Ende der 1980er Jahre noch gut funktionierte, und mehr als einmal rannten wir während des Spielens im Hof dorthin, um Wasser zu trinken (direkt aus der Pumpe). Am Ostermontag war dies das Zentrum der Wasserverteilung, um alle und alles nass zu spritzen.
Der besagte Brunnen ist einfach ein großer, etwas geformter Betonblock, der den Bewohnern der Niederstadt über Jahre hinweg auf vielfältige Weise gedient hat. Man konnte sich hier hinsetzen und darauf warten, dass man die benachbarte Telefonzelle benutzen konnte. Man konnte sich ausruhen, man konnte seine Einkaufstaschen abstellen, wenn die Bänke in der Allee in der Nähe besetzt waren. Auch Kinder hielten sich dort oft auf, da es ein großartiger Aussichtspunkt war (oder vielleicht sogar das Facebook jener Zeit! Stimmen Sie mir zu?).
Ich denke jedoch, dass die wichtigste Funktion des Brunnens eine kommerzielle war. Zu diesem Brunnen kamen Frauen, die Acker in Groß- und Klein Walddorf (Olszynka) hatten und ihre Ernte direkt vom Brunnen aus verkauften. Man konnte bei ihnen leckere Tomaten, frischen Rettich oder Salat sowie von Frühling bis Spätherbst Blumen kaufen.
Manchmal verkauften die Herren dort Pilze, die sie nicht nach Hause gebracht hatten, sondern direkt zum „Brunnen”. Oder frisch in der Mottlau gefangene Fische. Manchmal feierten sie dort auch gleich ihre Erfolge nach dem Pilzesammeln.
Auch ich habe dort als Kind einmal gehandelt… mit Kalmus. Ich glaube, es war vor Pfingsten, als sich herausstellte, dass das genau das Richtige sein könnte! Meine Freundin und ich haben uns dazu überredet, sind zum Mottlau-Umfluter gegangen, haben Kalmus geschnitten und ihn in Bündeln am „Brunnen” verkauft. Es war toll. Wir verdienten unser erstes Geld für Süßigkeiten (natürlich von der Markthalle). Danach kamen wohl Maiglöckchen.
Mein Bruder verkaufte dort Narzissen. Es ist interessant, wie solche lokalen Verdienstmöglichkeiten von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Denn auch meine Tochter verkaufte dort Blumen: Narzissen, Tulpen und Flieder..
Schade, dass es heute diesen Brunnen, an dem man Blumen oder Tomaten kaufen konnte, und diese Pumpe, aus der man trinken konnte, nicht mehr gibt. Nun ja, jetzt haben wir zwar dieselbe Allee, aber sie ist nicht mehr dieselbe. Ach, ein bisschen schade…
Autorin des Artikels: Danuta Płuzińska.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
Die Schwarz-Weiß-Fotos stammen aus dem Archiv der Autorin..
Das Farbfoto wurde am 8. März 2014 im Rahmen der Revitalisierungsdokumentation aufgenommen. Autor des Fotos – Jacek Górski.
