Die Aussicht aus meinem Fenster war nicht schön
Der dritte und zugleich letzte Stock des Hauses in der Weidengasse/Łąkowa-Straße 7 (wo sich die Post befindet) bot aufgrund seiner Höhe etwas mehr Platz und einen weiten Ausblick.
Leider bestand diese Aussicht hauptsächlich aus zwei Reihen hässlicher Kohlekeller und dazwischen einem Meer aus Beton. Der Beton war cool, weil man darauf gut mit Kreide oder Ziegelsteinen malen konnte. Dort habe ich als Erstes Fahrradfahren gelernt. Dort haben wir Kinder auch kleine Häuser gebaut und Familie gespielt.
Das war zwar lustig, aber mir wurde es schnell langweilig. Denn wie lange kann man schon „Möbel” zusammenbauen, festlegen, wer in der Haushaltshierarchie wer ist und wer einkaufen geht, also etwas zum Essen mitbringt? Das waren in der Regel Gras, Löwenzahn, kleine Steine und andere handliche Schätze. Als ich noch ganz klein war, haben meine Freundinnen und ich beim Spielen angeblich solche roten Kügelchen auf der Müllhalde gefunden. Sie sahen sehr appetitlich aus. Was soll ich sagen… Der Arzt in der Notaufnahme sagte meiner Mutter (als sie erschrocken kam, um mich zu retten), sie solle sich keine Sorgen machen, denn es handele sich wahrscheinlich um Vitamin B (damals rot und in Glasfläschchen). Na toll. Ich sollte noch hinzufügen, dass ich von meinem Fenster aus direkt auf den Müllcontainer blickte… Im Winter war das noch okay. Aber im Sommer stank der Müll und flog überall herum. Die Menschen warfen ihren Müll oft neben den Mülleimer, sodass die roten Schätze wahrscheinlich auf diese Weise gefunden und verzehrt wurden.
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch erzählen, dass ich bei schönem Wetter vom Fenster aus immer einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang über der Rechtstadt in der Nähe des Stockturms hatte. Wir mochten diese Sonnenuntergänge so sehr, dass wir uns oft zu Hause in die Küche riefen, weil man von dort aus am besten dieses Schauspiel sehen konnte.
Heute wohne ich woanders, aber ich habe auch ein Fenster (und einen Ausblick) auf den Sonnenuntergang. Für mich sind sie ein Synonym für den Blick aus meinem Elternhaus.
Danuta Płuzińska-Siemieniuk hat sich erinnert und Fotos aus ihrem Familienalbum geteilt.
PS.
Ich nehme Vitamine, aber jetzt aus legaler Quelle.
Autor der aktuellen Fotos: Jacek Górski
Übersetzung – Andreas Kasperski.


