Hier kann man jetzt Kanäle sehen doch bald werden hier Häuser stehen.
Noch vor einigen Jahren standen nach jedem größeren Regenguss große Pfützen auf den Straßen der Niederstadt. Ich erinnere mich an eine riesige Pfütze an der Taxihaltestelle und dem Ruch-Kiosk in der Śluza-Straße/Schleusengasse (Kreuzung mit Łąkowa/Weiden- und Wróbla/Sperlingsgasse). Eine weitere befand sich beim Schuhgeschäft (heute Restaurant Przyganiał Kocioł Wokowi) an der Kreuzung Dolna und Łąkowa (Mittel- und Weidengasse). Und eine dritte zwischen den Mietshäusern Łąkowa 20. und Łąkowa 27. – auf Höhe des Seiteneingangs zum Ärztehaus. Mit der vierten hatten wir persönlich die größten Probleme, da sich das Regenwasser aufgrund des Höhenunterschieds in unserem Tor sammelte. Um nach einem Regenguss auf die Straße zu gelangen, musste man entweder Gummistiefel anziehen oder über die in dieser Pfütze liegenden Ziegelsteine laufen.
Aber das ist nichts im Vergleich zu der Wassermenge, die es in der Niederstadt gab, als noch niemand daran dachte, sie so zu nennen. Genauer gesagt handelt es sich um den Beginn des 14. Jahrhunderts. Dieses Gebiet war damals vollständig überflutet, wie auf dem beigefügten Ausschnitt einer Karte mit der Rekonstruktion der Wasserverhältnisse um 1300 zu sehen ist. Es handelte sich um Wasser aus einem See, der zuvor ein untrennbarer Teil der Meeresbucht war. Flussablagerungen trennten diesen Teil schließlich nach und nach vom Meer und bildeten den heutigen Werder.
Der so entstandene flache, aber große See bedeckte das Gebiet zwischen Mottlau und Weichsel und reichte im Süden bis nach Wocław und Wróblewo und im Westen bis genau in die Gegend der zukünftigen Niederstadt. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte begann der See auszutrocknen, und sein schlammiger Grund verwandelte sich in ein Sumpfgebiet. In der nächsten Phase entstanden in diesem Gebiet regelmäßig überflutete Auwälder.
Die Natur nahm das Gebiet, das nun nicht mehr als Wasserfläche bezeichnet werden konnte, sehr schnell in Besitz. In der gesamten zukünftigen Niederstadt begannen kleinere oder größere Bäume zu wachsen. Um aus ihnen wertvolles Brennholz zu gewinnen, wurde 1422 das Forstamt (Waldhof) gegründet, das auf der heutigen Karte ungefähr der Adresse Szopy 6. (Mattenbuden) zugeordnet wäre.
Nach dem Abholzen der Bäume blieben Wiesen zurück, auf denen die Danziger Metzger ihr Kleinvieh und Großvieh weiden ließen. Und da es deutlich mehr Kleinvieh gab, brachte der Beginn des 17. Jahrhunderts einen völlig neuen Namen für unseren Stadtteil mit sich. Man begann damals, ihn im Zusammenhang mit der erwähnten Weide Schweinewiesen zu nennen.
Der nächste Schritt in der Entwicklung dieses Ortes war die Aufteilung in Parzellen und die Gestaltung von Gärten auf diesen Flächen. Sie waren nicht so alt wie Langgarten, hatten aber einen Vorteil gegenüber diesen. Die Parzellen waren nicht lang und schmal, sondern hatten eher eine quadratische Form. Dadurch konnten sie einfacher gestaltet werden.
Die Stadt begann langsam, diese Grünflächen zurückzufordern, um sie in das Befestigungsgebiet einzubeziehen, zu erschließen und sie für die ersten dichteren Bebauungen zu nutzen. Einem solchen Vorhaben stand jedoch eine sehr ungünstige Eigenschaft dieses Ortes im Wege. Trotz des Verstreichens vieler Jahre war dieses Gebiet immer noch sumpfig. Zunächst mussten daher Entwässerungsarbeiten durchgeführt werden, bevor man über größere Bauvorhaben nachdenken konnte.
Wie Aleksander Masłowski in seinem Buch „Historia Dolnego Miasta do 1945 roku” (Geschichte der Niederstadt bis 1945) erwähnt:
Mit den Entwürfen für neue Befestigungsanlagen, die den Bereich der Niederstadt in die Struktur der Danziger Innenstadt einbezogen, entstanden die ersten Konzepte für ihre Aufteilung in Viertel und den Verlauf der Straßen. Strakowski schlug zwei von Norden nach Süden verlaufende Straßen und vier Querstraßen vor. Van den Bosch war der Meinung, dass drei lange Straßen angelegt werden sollten, die durch neun Querstraßen verbunden waren. Die bis heute weitgehend erhaltene Aufteilung des Gebiets der Niederstadt wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von George Telior entworfen, der ein Projekt zur Trockenlegung des sumpfigen Gebiets der ehemaligen Moore entwickelte. Das Projekt sah den Bau von drei parallel und fünf senkrecht zum Flussbett der Neuen Mottlau verlaufenden Kanälen vor. Die Anordnung der Straßen und die Aufteilung in Viertel waren eine direkte Folge des Verlaufs der Entwässerungskanäle.
Der erste lange Kanal, der der Neuen Mottlau am nächsten lag, verlief entlang der heutigen Straßen Szuwary/Schilfgasse, Jaskółcza/Große Schwalbengasse, Jałmużnicza/Allmodengasse und Przyokopowa/Grabengasse. Die Linie des nächsten Kanals wurde durch drei heutige Straßen bestimmt – Łąkowa/Weidengasse, Wróbla/Sperlingsgasse und Radna/Grodeckgasse. Der dritte Kanal verlief entlang der heutigen Linie der ehemaligen Befestigungsanlagen, d. h. Bastionen – Dzik/Ochs, Miś/Roggen, Wyskok/Aussprung und Wilk/Wolf.
Hinzu kamen Querkanäle. Auf alten Karten sind sie an den Stellen zu finden, an denen sich heute die Straßen Zielona/Grüner Weg, Kieturakisa/Śluza/Schleusengasse, Królikarnia/Kolkowgasse, Sempołowska/Hirschgasse und Dolna/Mittelgasse befinden. An dieser Stelle sei an die wichtige Funktion des Kanals in der Straße Śluza/Schleusengasse erinnert. Über diesen Weg wurde das gepumpte Wasser in die Neue Mottlau abgeleitet.
Der Fußgängerverkehr konnte damals entlang der Ufer der genannten Kanäle stattfinden. Nur einige (nicht alle) Ufer waren durch Holzbrücken verbunden, um die Fortbewegung von Ort zu Ort zu erleichtern.
Auf der abgebildeten Zeichnung ist eine dieser Brücken sehr gut zu sehen. Genauer gesagt, die Brücke, die zum Uphagen-Hof in der Niederstadt führte.
Der letzte Teil des Entwässerungskanalsystems wurde schließlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebaut und in Betrieb genommen. Das Kanalsystem erfüllte seine Funktion über mehrere Jahrzehnte hinweg. Seine Beseitigung begann Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde etwa zwanzig Jahre später abgeschlossen. Bis heute sind jedoch sichtbare und dauerhafte Spuren der ehemaligen Kanäle zu sehen. Der größte davon ist… die mittlere Allee in der Weiden- und Sperlingsgasse, die als breiter Grünstreifen nach der Verfüllung eines der längsten Kanäle entstand. Ein weiterer ist… der mittlere Gehweg in der Jałmużnicza-Straße/Allmodengasse.
Ein ähnlicher Gehweg verlief vor dem Krieg in der Mitte der heutigen Jaskółcza- und Szuwary-Straße. Auf dieser Vorkriegspostkarte ist er sehr deutlich zu sehen. Und dann gibt es noch die Querkanäle – einer mit einem Teil des Grünstreifens zwischen der Fundacyjna- und der Zielona-Straße/Stiftsgasse und Grüner Weg und der andere mit einem ähnlichen Teil zwischen der Dolna-, der Sempołowska- und der Królikarnia-Straße/Mittel-, Hirsch- und Kolkowgasse.
Wenn Sie das nächste Mal die Łąkowa-Straße/Weidengasse entlanggehen, denken Sie daran, dass Sie auf einem ehemaligen, mit Wasser gefüllten Kanal stehen. Und wenn Sie die Śluza-Straße/Schleusengasse entlanggehen, stellen Sie sich am Ende diese authentische Schleuse vor, die an dieser Stelle das Wasser aus der Niederstadt direkt in die Neue Mottlau abfließen lässt.
Autor des Textes: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
Ausschnitt aus einer Karte des Werder mit einer Rekonstruktion der Wasserverhältnisse um 1300; bearbeitet von H. Bertram. Quelle: H. Bertram, W. La Baume, O. Kloeppel, Das Weichsel-Nogat-Delta, Danzig 1924, S. 238.
Der beigefügte Ausschnitt aus dem Stadtplan von Danzig aus dem Jahr 1780 mit den Brücken über die Kanäle stammt aus „Danzig Das alte Stadtbild von Ernst Gall”.. S. 2.
Die Quelle aller übrigen Kartenausschnitte ist die Website http://igrek.amzp.pl.
Die Abbildung des Uphagen-Gutshofs stammt aus dem Buch „Danzig und seine Kirchen”” von Wolfgang Deurer (Abbildung 163).
Die Postkarte aus der Szuwary-Straße/Schilfgasse ist in der rechten unteren Ecke mit der Nummer 3530 gekennzeichnet. Auf der Rückseite sind unten weitere Markierungen zu sehen – W.S. 19 (Dzg. 19) 09 Danzig. Mehr über die Postkarte selbst erfahren Sie in diesem Beitrag.






