Karpfen

In der Łąkowa-Straße (Weidengasse) gab es in den 1960er Jahren ein Fischgeschäft. Dort konnte man eine Vielzahl von verschiedenen Fischen kaufen. Nicht nur ausgenommene und küchenfertige, sondern auch lebende Fische, die fröhlich in Steinwannen herumschwammen. Normalerweise kaufte man das ganze Jahr über die ausgenommenen Fische, aber wenn Weihnachten nahte, machte man Jagd auf frische Karpfen – frisch und lebendig. Ein paar Tage vor Heiligabend ließ man sie in eine mit Wasser gefüllte Wanne hinein.
Karp EliIm besagten Jahr (ich war damals vielleicht 5 oder 6 Jahre alt, es war also Anfang der 1960er Jahre) kauften meine Mutter und ich einen wunderschönen, stattlichen Karpfen (meine Mutter sagte, es sei ein Königskarpfen). Das Ritual, ihn in unsere Badewanne zu lassen, fand natürlich unter meiner Beteiligung statt. Ich freundete mich mit ihm an, fütterte ihn mit Brotstückchen, unterhielt mich mit ihm, verbrachte viel Zeit im Bad in Gesellschaft dieses bereits zahmen Tieres.
Am Heiligabend hörte ich ein beängstigendes Gespräch zwischen meinen Eltern:

Heniu (sagte meine Mutter – Anm. d. Verf.), es ist Zeit, den Karpfen zu töten.

Ich verlor den Boden unter meinen Füßen! Was soll das heißen? Mein geliebtes Haustier töten? Karp EliIch musste handeln! Ich musste die Wachsamkeit meiner Mutter, die in unserer kleinen Küche hockte, überlisten. Nach und nach nahm ich ein Messer nach dem anderen heraus aus der Küche und versteckte es, wo immer ich konnte. Also in die Schuhe, weil sie der Küche am nächsten waren, im Flur. Dann, als die Schuhe keinen Platz mehr hatten, waren die Manteltaschen an der Reihe. Nachdem ich den letzten scharfen Gegenstand aus der Küche getragen hatte und mir sicher war, dass das Haustier, das ja zu mir sprach, indem es seine Schnauze herausstreckte und sie öffnete, als ob es mit mir sprechen würde, in Sicherheit war, ging ich in mein Zimmer, um mir meinen Lieblingsweihnachtsfilm mit Fred Asteir und Ginger Rogers „The Christmas Inn” im Fernsehen anzusehen. Nach einer Weile ertönte Mamas Stimme aus der Küche:

Heniu, wo sind die Messer hin? Hast du sie zum Schärfen gebracht?

Karp EliMein Vater, der gerade den Weihnachtsbaum aufstellte, antwortete, dass er nicht wisse, wo diese Mordwerkzeuge geblieben seien. Aber er versprach, in Kürze zu seinen Nachbarn, Herrn und Frau Trąbki, zu gehen und sie sich zu leihen, wenn sie dringend gebraucht würden. Er wollte seine Schuhe anziehen und…. alles flog auf. Alle versteckten Messer wurden gefunden und der Karpfen verlor sein Leben. Und ich: ich konnte an diesem Abend nichts mehr essen.

Sie erinnerte sich: Elżbieta Woroniecka

P.S. Bis heute sind Fischsuppe aus Karpfen und gebratener Karpfen auf unserem Heiligabend-Tisch obligatorisch, aber wir kaufen keinen lebenden Fisch mehr, da wahrscheinlich niemand etwas von unserem Tisch anfassen würde.

Übersetzung – Andreas Kasperski.

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