Kasernen in der Niederstadt auf Postkarten (Teil II)
Vor genau 3 Jahren haben wir begonnen, Postkarten mit Ansichten der Kasernengebäude aus der Niederstadt zu betrachten. Im Dezember 2015 haben wir uns die einzige bekannte Ansicht der Kaserne an der Bastion Roggen in allen Teilen durch eine Lupe angesehen. Und dabei haben wir begonnen, das Thema vom Ende her aufzurollen. Denn die fragliche Kaserne war die dritte, die in diesem Stadtteil gebaut wurde (1911-1914). Die ersten (1868-1873) waren die Kasernengebäude, die heute die Musikhochschule beherbergen. Diesem Gebäude auf der Vorkriegspostkarte werden wir die nächsten Minuten widmen.
Der Fotograf ging ein ziemliches Risiko ein, als er sein Stativ auf den Straßenbahnschienen aufstellte, die in Richtung Langgarten (Długie Ogrody) führen. Aber aus heutiger Sicht können wir sagen, dass sich das Risiko gelohnt hat. Den Erzählern sind insgesamt 2 (in Worten: zwei) Vorkriegsaufnahmen von dieser Seite der Reiterkaserne an der Kreuzung der Straßen Weidengasse (heute Łąkowa) und Reitergasse (heute Ułańska) bekannt. Und dies ist eine von ihnen.
Der Kasernenkomplex selbst dominiert die gesamte Aufnahme. Sowohl der gesamte Flügel, der entlang der Reitergasse in Richtung der Neuen Mottlau verläuft, als auch der Flügel, der entlang der Weidengasse in Richtung des charakteristischen roten Backsteingebäudes verläuft, das heute noch steht (nicht zu verwechseln mit dem großen Kasernenkomplex auf der anderen Seite der Weidengasse), das damals nicht der Armee gehörte, sondern das Königliche Gymnasium beherbergte. Um eine weitere Vorstellung von der Form dieser Kaserne zu bekommen, lohnt sich einen Blick auf eine handgezeichnete Zeichnung aus dem Jahr 1926, die einen Grundriss dieser Gebäude aus der Vogelperspektive zeigt.
Auf dem Dach der Kaserne weht an einem Mast die markante Flagge des preußischen Staates.
Und in einigen Fenstern sieht der aufmerksame Beobachter die Silhouetten von Soldaten, die neugierig in das Objektiv des Fotografen blicken, oder deren Schatten, die sich mit der Farbe der Fenster vermischen. Betrachtet man die unterste Reihe der vergitterten Fenster als Keller und die folgenden Reihen als die des Erdgeschosses, des ersten, des zweiten und des dritten Stockwerks (die winzigen Fenster oben nicht mitgerechnet), so ist die erste Figur im Erdgeschoss über einer Frau zu sehen, die auf der Straße steht und ein Kind auf dem Arm hält. Folgt man dem Blick nach rechts, so sieht man im zweiten Stock in einem der ersten Fenster zwei Soldaten und in einem der nächsten Fenster einen einzelnen Soldaten, der sich für das Geschehen draußen interessiert.
Auf der Straße vor der Kaserne sind eindeutig mehr Menschen stehen geblieben. Neben der oben erwähnten Frau sind weitere uniformierte Soldaten und einige zivile Passanten zu sehen. An einem der kleinen Bäume steht ein hölzerner Karren, der vielleicht von dem Jungen mit der Mütze in der Nahaufnahme kurz zuvor an dieser Stelle abgestellt wurde. Eine solche Gelegenheit hat sich vielleicht nie wieder ergeben, und man kann schließlich nicht mit einem gewöhnlichen Kinderwagen für ein ungewöhnliches Foto posieren…
Zurück zu dem fraglichen Baum – er gehörte zu einer der Reihen junger Bäume, die am zentralen Fußweg gepflanzt wurden. Damals war der Fußweg auf beiden Seiten durch ein Metallgeländer in klassischer Form geschützt, und die Baumstämme waren zusätzlich bis zu einer Höhe von etwa einem Meter von Holzsparren umgeben. Zwei Steine, die an der Außenseite eines der Geländer aus dem Boden ragen, könnten von Interesse sein. Hatten sie eine dekorative (?) Funktion oder wurden sie zu einem ganz anderen Zweck eingegraben…
Wenn man heute an der Kasernenmauer in Richtung Mattenbuden (Szopy) entlanggeht, befindet sich am Ende der Mauer eine leere, mit Gras bewachsene Fläche und eine Zufahrtsstraße zu einem der Wohnblocks. In der Vergangenheit war dies jedoch überhaupt nicht der Fall. Auf der linken Seite der Postkarte sind die Umrisse von drei unterschiedlich hohen zivilen Gebäuden zu sehen, die sich entlang der Reitergasse genau hinter der Kaserne befinden. Wenn Sie nicht glauben, dass die heutige Ulanska-Straße früher auf beiden Seiten von Wohnhäusern gesäumt war, lohnt sich ein Blick auf diese Postkarte, um herauszufinden, was dort vor dem Krieg stand.
Clara Bernthal, die uns aus verschiedenen früheren Ausgaben der Geschichtserzähler der Niederstadt bekannt ist, war für die Veröffentlichung dieser Postkarte verantwortlich. In diesem Jahr haben wir die Steinschleuse im Februar mit der Nummer A 48281 von der gleichen Person beschrieben. Ebenfalls im Februar, aber 2016 stellten wir eine Postkarte aus Langgarten vor. Und im Juli 2015und 2016 haben wir zwei Ansichten des Milchkannentores vorgestellt. Alle sind mit demselben Namen des Herausgebers signiert. Die heutige Postkarte hat die Nummer 35611 und der Verleger der Postkarte aus der Reitergasse ist Karl Altmann (Berlin Friedenau). Die Seriennummer 875/9 steht in der rechten unteren Ecke.
Die hier vorgestellte Original-Postkarte stammt aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig. Eine Grafik der preußischen Flagge finden Sie auf Wikipedii. Und die Zeichnung der Kaserne, die 1926 von Hand angefertigt wurde, stammt aus dem Staatsarchiv in Danzig. Referatsnummer: 8/3774; Akteneinheit: 10/15/0/-/2481.
Text: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.

