Kasernen in der Niederstadt auf Postkarten (Teil III)
Gab es schon eine Postkarte mit der ältesten Kaserne in der Niederstadt – der aus gelben Ziegelsteinen?…
Gab es! Gab es schon eine Postkarte mit der jüngsten Kaserne in der Niederstadt – die, die es nicht mehr gibt? Gab es! Nun ist es also Zeit für die dritte Postkarte – mit der roten Backsteinkaserne. Dieses Gebäude war die ganze Zeit der Sadowa-Straße zugeordnet, die vor dem Krieg Herrengarten hieß, und noch früher Langgarter Hintergasse. Es steht heute noch, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand genau weiß, welchen Zweck es in Zukunft erfüllen wird.
Der Körper des Gebäudes hat sich nicht verändert. Konzentrieren wir uns also auf die Details. Die dekorative Wand auf der linken Seite der Postkarte mit ihrem zweifarbigen Mosaik und den Säulen ist inzwischen durch einen Metallzaun ersetzt worden. Das gleiche Mosaikelement, nur um 90 Grad gedreht, ist jedoch an der Frontwand der vordersten Mauer erhalten geblieben. Hinter der Mauer sind Fragmente eines Metallgitters mit unbekanntem Zweck zu sehen. Vielleicht sollten sie den Eingang zum Kasernengebäude von dieser Seite aus abschirmen. In einer Nische befindet sich eine sehr niedrige Tür. Der Zugang zu den Kellerfenstern war durch Ziergitter abgesichert. Diese sind nun durch Blechdeckel ersetzt worden. In den vier vergitterten Fenstern im Erd- und Obergeschoss sind heute kaum noch Gesichter zu erkennen. Und vor mehr als 100 Jahren schauten einige Soldaten neugierig aus den offenen Fenstern auf die Arbeit des Fotografen. In der Nähe des Haupteingangs auf der Seite der heutigen Sadowa-Straße stand ein Wachhäuschen. Und an der Wand daneben sieht man das Geländer, das vielleicht den Ausgang von der Straße direkt in die Kasernenkeller absperrte. Heute ist von diesem Abstieg nichts mehr zu sehen. Und der Haupteingang selbst ist durch eine Mauer mit sechs Fensteröffnungen ersetzt worden. In der heutigen Zeit hat der abfallende Putz das Gewölbe eines der Vorkriegsfenster freigelegt. Vor dem ehemaligen Eingang standen zwei Gaslaternen bereit. Auf dem Dach wehte die Flagge des preußischen Staates. Und das sind wohl alle Details des Gebäudes.
Aufmerksame Beobachter werden in der rechten unteren Ecke auch ein sehr kleines Mauerfragment des Mietshauses in derselben Sadowa-Straße entdecken, das dort noch lange nach dem Krieg stand und erst beim Bau der Ost-West-Tangente abgerissen wurde. Und ein sehr aufmerksamer Betrachter wird den Lampenschirm einer anderen Gaslampe auf dieser Postkarte vor dem Hintergrund dieser Mauer erkennen.
Die Postkarte wurde am 31. Mai 1915 beschriftet. Ihr Verfasser, Gefreiter Mengel, war damals in Heubude (Stogi) im Telegrafenbataillon stationiert. Er schickte sie in eine niedersächsische Stadt Wolfenbüttel in die Kannengießerstraße 12. an Herrn Müller.
Die hier vorgestellte Original-Umlaufpostkarte stammt aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig. Sie wurde von Clara Bernthal herausgegeben und trägt die Nummer 18494.
Autor: Jacek Górski
Übersetzung – Andreas Kasperski.
Die Autorin der Farbfotos vom 31. Mai 2020 ist Elżbieta Woroniecka.









