Mit dem Skizzenbuch durch die Niederstadt

Ich gebe es zu. Meine Freundin vom Studium hat mir manchmal erzählt, dass die Niederstadt ein Ort sei, den nicht jeder kenne, der aber auf jeden Fall einen Besuch wert sei. Denn für junge Architekturstudenten wie uns gibt es dort viele reizvolle Ecken voller architektonischer Details, die man sich ansehen kann, von denen man einige aus der Nähe betrachten kann und die man alle in aller Ruhe dort zeichnen kann. Man muss nur manchmal auf vorbeifahrende Velos, Straßenbahnen oder Dampflokomotiven achten.

Aber obwohl ich diesen Teil von Danzig oft mit der Straßenbahn passiert habe, zog es mich doch viel mehr nach Heubude (Stogi). Nun ja – manchmal auch nach Oliva. Oder in die Werftnahen Gefilde.

Schließlich ergab sich jedoch eine perfekte Gelegenheit, und ich konnte mich von der Richtigkeit der Worte meiner Studentengruppe überzeugen. Am 2. September fand das Fest der Niederstadt statt. Also nahm ich mein Skizzenbuch in die eine Hand, einen gespitzten Bleistift in die andere und machte mich mit meiner Auserwählten auf den Weg über den Königsweg in Richtung Weidengasse – der Hauptstraße der Niederstadt. Schon von weitem war zu hören, dass die Niederstadt an diesem Tag tatsächlich feierte. Kaum hatten wir das Gebäude des Danziger Tabak Monopol erreicht, wurden wir sofort von einer bunten, lachenden Menschenmenge mitgerissen, mit der wir wie auf den Wellen der Ostsee bis zum Gebäude des Straßenbahndepots gelangten, wo uns ein sympathischer Moderator von der Bühne aus begrüßte. Es waren jedoch nicht die ersten Grüße. Zeichen der Aufmerksamkeit erreichten uns bereits zuvor, als wir in Richtung Bühne gingen. Man grüßte uns aus den Fenstern. Man grüßte uns aus der mittleren Allee. Man grüßte uns aus den nahe gelegenen Läden. Man grüßte uns aus den Ecken. Man grüßte uns von Motorrädern und Fahrrädern aus. Es grüßten uns ehrwürdige Matronen und elegante Damen. Von der ersten Minute an war zu sehen, dass alle verdammt viel Spaß hatten und in bester Stimmung waren. Richtiges Versailles – sage ich euch. Und dazu diese Kreationen und andere modische Accessoires – Smokings, Anzüge, Stiefeletten, Steiflinge, Chapeau Claque Zylinder, Mäntel, Regenschirme und Fächer. Einige davon vielleicht sogar aus dem Ausland. Voll die Kultur – ich bitte euch.

Unterwegs kamen wir an einer Reihe historischer Autos vorbei. Und an Ständen mit köstlichem Essen, dessen Aromen man schon von weitem riechen konnte. Irgendwo in der Ferne waren fröhliche Klänge zu hören, die zum Tanzen einluden. Mich interessierten jedoch mehr die architektonischen Elemente, die an jeder Ecke zu sehen waren und die ich mit meiner Vorstellungskraft früher oder später in meinem Skizzenbuch sah. Und schon während dieses bunten Umzugs entdeckte ich einige interessante Orte, die es wert waren, noch am selben Tag näher betrachtet zu werden. Und das war doch erst der Anfang meines Aufenthalts in der Niederstadt.
Wir ließen die begeisterte Menschenmenge vor der Bühne zurück und begannen, durch die malerischen Gassen der Niederstadt zu schlendern. Thornscherweg, also Toruńska, Allmodengasse, also Jałmużnicza, Steindamm, also Kamienna Grobla, Bastion Aussprung, also Reduta Wyskok, Schleusengasse, Kleine Schwalbengasse, Sperlingsgasse, Hühnerberg, Große Schwalbengasse (interessant, ob es nur Zufall ist, dass es in der Niederstadt so viele Vogelstraßen gibt). Und jede weitere Minute überraschte uns mit etwas, das wir plötzlich entdeckten. Diese Fenster… diese Türen… diese Geländer… diese Balkone… diese Tore… diese Fensterbänke… diese Zäune…, diese Fassaden… diese Treppen… diese Verkleidungen…, dieser verzierte Straßenbahnpfosten… Ich ahnte, dass ich an diesem Tag nicht genug Zeit haben würde, um alles, was ich gesehen hatte, zu Papier zu bringen. Und ich hatte Recht. Aber ich habe einige erste Versuche unternommen, die nun öffentlich zugänglich sind. Und mehr noch – ich habe mir selbst versprochen, dass ich hierher zurückkehren werde.

2. September 1938

Autor der Erinnerungen: Krzysztof Płoński (echter Architekturstudent an der Technischen Hochschule).
Übersetzung – Andreas Kasperski.

Możesz również polubić…

Dodaj komentarz

Twój adres e-mail nie zostanie opublikowany. Wymagane pola są oznaczone *