Poggenpfuhl auf Postkarten (Teil II)
Die Beschreibung der vorherigen Ansichtskarte mit dem Blick auf die Straße Poggenpfuhl also heute Żabi Kruk begannen wir mit der Konzentration auf den Straßenbahnwagen mit der Nummer 75, der sich in der Mitte der Straße befindet.
Dieses Mal ist kein Schienenfahrzeug zu sehen. Obwohl man deutlich die durch die Mitte des Bildes verlaufende Schienen der Straßenbahn sehen kann, die in Richtung Vorstädtischer Graben (Podwale Przedmiejskie) führt. In der Ferne zeichnet sich die Silhouette der Marienkirche ab. Auf der linken Seite ragt eine Mauer der Petri und Pauli Kirche über die Bordsteinkante hinaus. Beide Kirchen gibt es heute noch. Sie sind die einzigen sichtbaren Gebäude, die sowohl auf dieser Postkarte aus dem frühen 20. Jahrhundert als auch auf der heutigen Karte von Danzig erhalten geblieben sind. Alle anderen Gebäude sind bereits Geschichte.
Eines der wenigen Zeichen dafür, dass es sie einst gab, ist dieses Bild. Stellen wir uns nun vor, dass wir mit dem Jungen, der auf dem Gehweg auf der linken Seite in einem weißen Pullover und schwarzen Hosen steht, durch das alte Danzig spazierengehen. Lassen Sie uns mit ihm in die Jahre 1906-1907 zurückkehren (Am Ende unserer Beschreibung wird der Grund für diese Daten erklärt) und sehen, was er uns auf der Straße Pogenpfuhl zeigen und erzählen möchte.
Zuerst gehen wir in den Schreibwarenladen von Frau Marie Wollschon mit der Hausnummer 38. Sie war Witwe eines älteren Postassistenten. Sie zog in die Straße aus der Niederstadt, genauer gesagt von der Hirschgasse (Sempołowska), wo sie in einem Haus mit der Nummer 8 wohnte. Vielleicht ist sie ja eine der Frauen, die vor dem Eingang des Ladens posieren.
Wenn wir weiter in Richtung Thornscher Weg (Toruńska) gehen, würden wir auf der gleichen Seite ein großes Schild eines Ladens mit frischem Fleisch und Wurstwaren sehen. Er könnte dem Metzger Paul Schottke oder Wladislaus Gdanitz gehört haben, da beide dieser Adresse zugeordnet waren. Oder haben sie vielleicht zusammengearbeitet? … Leider kennt unser junger Stadtführer die Antwort auf diese Frage nicht.
Wenn wir uns in Richtung des zuvor erwähnten Vorstädtischen Grabens bewegen, erfahren wir von einem Jungen, der gerade dort stand, dass in dem langen einstöckigen Gebäude hinter ihm sich die Zigarettenfabrik „Hansa” befindet. Am Ende, an der Kreuzung mit der Katergasse (Kocurki), befindet sich der Kolonialwarenladen von Herrn Emil Ziemer.
Da die Straßenbahn immer noch nicht kommt, nutzen wir die Gelegenheit und gehen auf die andere Straßenseite. Dort sehen wir vielleicht Schilder, auf denen Franziska Eggert unter der Hausnummer 70 Zimmer vermietet, Johann Kowalski unter der Hausnummer 68 Schuhe repariert, Ida Schmidt unter der Hausnummer 67 Kleidung näht und Josef Gawlicki unter derselben Nummer Haare schneidet und rasiert. Unter der Hausnummer 65 fertigt Otto Bierwolff Schlüssel an und Franz Weichert flechtet Körbe. Vielleicht interessiert es uns auch, dass unter der Hausnummer 66 ein echter Leuchtturmwärter wohnt. Sein Name ist August Klein. Wir danken dem Jungen für die schnelle Führung durch die Straße. Vielleicht treffen wir ihn ja noch einmal auf einem anderen Postkartenmotiv aus dieser Gegend…
Die Postkarte in Schwarz-Weiß (nennen wir sie zur Unterscheidung als Postkarte 1) erhielt einen Poststempel mit dem Datum 18. April 1907 und wurde nach Belgien versandt. Die farbige Postkarte (nennen wir sie zur Unterscheidung Postkarte 2) hat türkische Schriftzeichen. Die einzigen lesbaren Schriftzeichen befinden sich auf den Stempeln. Galata ist ein Stadtteil von Istanbul. Und auch Pancalti ist mit dieser Stadt verbunden…
Die erste Postkarte hat in der unteren linken Ecke ein Piratenlogo, das aus einem Schädel und gekreuzten Schienbeinen besteht, und dem darin eingebetteten Schriftzug F & S Danzig. Diese Karte hat zusätzliche Markierungen an der linken Kante. Nr. 22, 1906. Die zweite Postkarte ist wie folgt gekennzeichnet: O.K.A. Nr. 22, 1907.
In beiden Fällen untersagen die Verlage die Vervielfältigung.
Zum Schluss kehren wir noch einmal kurz zur ersten Postkarte zurück. Auf der Seite mit dem Blick auf die Straße Poggenpfuhl ist mit einem Stift das Nachname Gersdorf durchgestrichen und ein Pfeil, der auf eines der Gebäude in dieser Straße zeigt. Wir haben nachgesehen – Julius Gersdorf wohnte zu dieser Zeit tatsächlich in Poggenpfuhl 85.
Die beiden Original-Postkarten stammen aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig.
Autor des Artikels: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
