Türkische Spuren in der Niederstadt (Teil 1)
Das Haus mit der Hausnummer 50 steht bis heute an der Ecke Weidengasse/Straußgasse (Łąkowa/Chłodna) und hat die Gleiche Hausnummer wie vor dem Kriege. Unten funktionierten nach dem Krieg folgende Kneipen: Kameralna, Galeon und Pod Kotwicą. Und hier eben wohnte auch der Vizekonsul und später Konsul der Türkei, Dr. Sigmund Schopf. Habt ihr das gwusst? Also fangen wir von vorne an. 
Laut Adressbuch war zwischen dem 19. und 20. Jhd. als Vertreter der Türkei im Freistaat Danzig der Generalkonsul und Kaufmann Hermann Rothwanger , der in der Heiliggeistgasse 76 wohnte, tätig. 1904 übernahm Albert Ziehm aus der Hundegasse 83/84 sein Amt. Der Generalkonsul hatte einen Konsularagenten, Alfred Ford , zur Verfügung, der in der Weidengasse 50 wohnte. Das Konsulat selbst befand sich anfangs in der Milchkannengasse 26, um dann 1915 nach Langfuhr umzuziehen. Zur gleichen Zeit eröffnete man in der Weidengasse eine Kanzlei, die vom Vizekonsul und Dr. der Philosophie, Sigmund Schopf , geführt wurde und der im selben Haus wohnte. Die Kanzlei funktionierte ununterbrochen 10 Jahre lang und Herr Schopf wurde in der Zeit zum offiziellen Konsul der Türkei befördert. 1925 erschien eine Anzeige seines Büros am Lange Markt 37/38. 1926 erscheint ein einziges Mal in den Adressbüchern der Name Memdouh Bey aus der Danziger Chaussee 13 (+ Kanzler Houloussi Bey aus dem Taubenweg, laut „Staatshandbuch der Freien Stadt Danzig” aus dem selben Jahr). Ein Jahr früher in der Zeitung „Echo Gdańskie” vom 13 November erschien der Name Hassan Tashin aus dem Jäschkenthaler Weg 4 als Konsul. Und wahrscheinlich im Jahre 1928 wurde das Amt von Julius Jewelowski aus Langfuhr, Danziger Chaussee 98, und später 114, übernommen. 1933 wohnte Herr Schopf bereits am Dominikswall 7.
Inzwischen, neben den konsularischen Aufgaben, was man auf einer Anzeige neben seinem Namen lesen kann, hatte er auch die Funktion als Treuhänder zu erfüllen. Im Folgejahr verschwindet jede Spur von ihm. Und dass nicht ohne Grund. Wie es uns Geschichtserzählern herauszufinden gelungen ist– Dr. phil. Sigmund Schopf ist im Mai 1934 mit 72 Jahren verstorben. Auch irgendwelche Anzeigen und Spuren des Türkischen Konsulats in Danzig sind in der zweiten Hälfte der 30er Jahre komplett verschwunden. Und der erwähnte Julius Jewelowski wurde Senator, betrieb Großhandel und ein Sägewerk.
Die Geschichte von Sigmund Schopf hat uns interessiert, wegen seiner Verbindung zu Niederstadt. Um Näheres zu erfahren, sind wir zum Ehrengeneralkonsul der Türkischen Republik – Herrn Serdar Davrana in die heutige Straße Podwale Staromiejskie 104/1 (Altstädtischer Graben) gegangen, der sich unser Anlegen angehört und uns seine Hilfe bei der Suche nach türkischen Unterlagen aus der Vorkriegszeit angeboten hat! Er hat uns die Kontaktdaten des Staatsarchivs in Istanbul gegeben und wir haben es angeschrieben in der Hoffnung, eine konkrete Antwort zu bekommen. Und in der Tat kam nach einigen Wochen eine Mail mit einigen Textanhängern in fremder Sprache bei uns an… und es war kein Englisch. Hätte uns Herr Serdar nicht wieder mal geholfen, wüsten wir bis heute nicht, was darin steht. Doch so konnten wir die unbekannten Buchstaben entziffern und einen logischen Sinn erkennen. Obgleich nicht alles was dort geschrieben stand mit unseren Nachforschungen in den Adressbüchern überein gestimmt hat.
Im Ersten Dokument steht Folgendes:
Im weiterem Dokument:
Und der Inhalt des dritten Dokuments:
![]() |
Nr. 2327
In Beantwortung auf das Schreiben Nr. 1329/895 von November 1913, informieren wir, dass der Sultan das Amt des Ehrenkonsuls in Danzig akzeptiert und bestätigt hat. |
Wie man sieht – in allen angehängten Dokumenten erscheint das Jahr 1913 als Wendejahr für das Türkische Konsulat in Danzig. 1913 wurde Ziehm von seinem Amt abberufen und Dr. Schopf berufen. Und solche Veränderungen fand man damals in den Adressbüchern ungefähr erst fünf Jahre später. Man kann schwer sagen warum es so war, doch dies Mal scheint die türkische Quelle glaubwürdiger…
Todesanzeige Sigmund Schopf stammt aus der „Central-Verein-Zeitung” – Nr. 22 vom 31 Mai 1934, auf Seite 11.
Autor der schwarz-weiß Aufnahme des Hauses in der Weidengasse 50: Artur Wołosewicz.
Quelle: Sobiecka L., Kaliszczak M. (ed.), Gdańsk – Dolne Miasto. Dokumentacja historyczno-urbanistyczna,
Text: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
Lese auch „Tureckie ślady na Dolnym Mieście (część II)” i „Tureckie ślady na Dolnym Mieście (część III)”.



