Wiebenkaserne auf Postkarten (Teil II)

Heute ist genau ein Jahr vergangen, seit die Beschreibung der ersten Postkarte, auf der die Wiebenkaserne verewigt wurde, auf der Website der Geschichtserzähler erschien. Diese Ansicht zeigte das Gebäude in seiner ganzen Pracht von Poggenpfuhl (Żabi Kruk) aus. Das war leicht zu bewerkstelligen, da sie nur durch eine Baumreihe und einen Übungsplatz verdeckt war. Und die ganze Aufnahme wurde durch die Alte Mottlau ergänzt. Der Fotograf stand auf der Brücke und brauchte nur noch seine Kamera richtig zu positionieren.
Die Wiebenkaserne von der Seite der parallelen Fleischergasse (Rzeznicka-Straße) aus einer ähnlichen Perspektive zu betrachten, war für den Fotografen nicht so einfach. Denn das größte Hindernis war die Fassade der Mietshäuser in der genannten Straße, die es nicht erlaubte, die Gebäude in ihrer Gesamtheit ins Bild zu setzen. In diesem Fall war das Konzept also ein anderes. Aber dank dieses Konzepts konnten mehrere interessante Orte in einer einzigen Aufnahme festgehalten werden.
Beginnen wir mit der titelgebenden Kaserne. Der mehrstöckige Turm, der auf dieser Postkarte fast in seiner ganzen Pracht zu sehen ist, steht heute noch fast unversehrt. Nur die Balkone an einer der Wände sind verschwunden. Und das ist wahrscheinlich der einzige Unterschied, den man feststellen kann. Wenn man heute diese Straße hinuntergeht – z. B. in Richtung des dort tätigen Finanzamtes – weiß man sehr wohl, dass nach einem kleinen Fragment der alten Gebäude, das mit dem oben erwähnten Turm verbunden ist, plötzlich ein moderner Teil auftaucht, der nichts mehr mit den Kasernenmauern gemein hat. Glücklicherweise kann man auf dieser Postkarte genau sehen, wie die Kaserne in ihrer Gesamtheit von dieser Seite aus aussah, bevor ein Teil von ihr im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Kaserne war der Adresse Fleischergasse (Rzeźnicka) 48/54 zugeordnet.
So wie auf der anfangs erwähnten Postkarte auch der Trumpfturm zu sehen war, ist in diesem Fall der Umriss eines bestimmten charakteristischen Gebäudes am Ende der Fleischergasse zu erkennen. Vielleicht ist es durch eine in der Straße stehende Laterne etwas verdeckt, vielleicht ist ein Teil davon durch einen auf der Straße fahrenden Pferdewagen verdeckt. Aber niemand kann leugnen, dass in der Ferne der Weiße Turm zu sehen ist.
Vor der Kaserne kann man den Eingang zur Straße sehen. Heute heißt sie Wilcza. Viele Jahre lang war sie eine interne Straße des dort tätigen Unimor-Werks. Obwohl einige Einwohner sie noch aus den ersten Jahren des Wiederaufbaus Danzigs als eine für alle zugängliche Sw. Gertrudy- und später Wilcza-Straße kennen. Wenn wir uns um diese 100-110 Jahre zurückversetzen würden, würden wir Männer und Frauen sehen, die die Gertrudengasse entlanggehen.
Schließlich ist noch die Fleischergasse (Rzeźnicka) selbst zu erwähnen. Der Name Fienbork, der auf der linken Seite zu sehen ist, erregt Aufmerksamkeit. Wir haben nachgesehen – im Danziger Adressbuch von 1917 taucht nur eine Person mit diesem Nachnamen auf. Hedwig Fienbork geb. Mück. Witwe. Kneipenwirtin (heute würde man wohl Bardame sagen) in der Fleischergasse 55. Gab es dort eine Brennerei?.. Auf der anderen Seite ist ein Schild mit der Aufschrift Cigarren, Cigaretten zu sehen. Wahrscheinlich hing es über dem Eingang des Zigarettengeschäfts in der Fleischergasse 38b. Es wurde mehrere Jahre lang von dem Kaufmann Karl Lantau betrieben.
Die hier gezeigte Original-Postkarte stammt aus der Sammlung der Geschichtserzähler der Niederstadt in Danzig. Sie wurde am 22. Juli 1917 geschrieben. Leider ist der größte Teil des Textes schwer zu lesen. Wir werden aber versuchen, den Inhalt dieser Korrespondenz in Zukunft zu übersetzen.
Wir hatten den Verleger Arthur Rogorsch aus der Hundegasse (Ogarna) 47. bereits durch mehrere andere Postkarten kennengelernt. Jede von ihnen hatte ihre eigene Nummer. So zeigt 303 eine Ansicht der Schäferei, 304 die Milchkannenbrücke, 313 ein Blick auf die Reitergasse von der Seite der Weidengasse aus und 329 zeigt das Marienkrankenhaus. Ab heute können wir zu diesen vier die Nummer 328 hinzufügen.
Autor des Artikels: Jacek Górski.
Übersetzung – Andreas Kasperski.
